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Inhalt 2/98

Editorial
Der wirkungsgeschichtliche Forschungsansatz der letzten Jahre brachte der Pestalozzi-Forschung neue Ergebnisse. Das innovative Element in ihm enthielt – quasi als notwendige Voraussetzung – eine Kritik pädagogischer Historiographie, die aber auffallend wenig theoretisch begründet wurde: Es gibt keinen Traktat über die methodologischen und theoretischen Voraussetzungen dieses Ansatzes.
Spätestens als in der letzten Nummer der «Neuen Pestalozzi-Blätter» Hans Van Crombrugge den wirkungsgeschichtlichen Ansatz vor allem von Jürgen Oelkers und Fritz Osterwalder kritisch reflektierte und eine massive Ausweitung dieses Forschungsansatzes propagierte, da – unter anderem – nicht nur die Wirkung von Pestalozzi umfassen sollte, sondern auch jene auf ihn, war das Desiderat nach einer Klärung der Grundlagen von Oelkers und Osterwalder formuliert. Diese Klärung kann in dieser Nummer zweifach nachgelesen werden. Erstens in einem Versuch von Fritz Osterwalder, theoretisch zu erklären, warum Methodendiskussionen an sich letztlich unfruchtbar sind und warum die Angemessenheit einer Forschungsmethode einzig und allein ihrem Ergebnis nach beurteilbar ist. Dieser Ansatz wird im Artikel von Jürgen Oelkers anschaulich gemacht. Am Beispiel Friedrich Fröbels wird gezeigt, wie ein schwärmerischer Chaot ohne theoretischen Background zu einer Stifterfigur der modernen Pädagogik werden konnte. Dabei wird klar gemacht, dass es nicht um die Dekonstruktion Fröbels geht, sondern um diejenige der pädagogischen Historiographie, welche seit Mitte des 19. Jahrhunderts stets eine war, die Helden erzeugte und dadurch – das heisst durch die Stilisierung oder gar Sakralisierung der Vorbilder – selber pädagogisch wirken wollte. Mit Osterwalder gesprochen: Die Sichtbarmachung dieser Eigenart pädagogischer Historiographie ist das Resultat, das die vertiefte theoretische Methodendiskussion weitgehend obsolet macht. Ob damit das Bedürfnis nach theoretischer Klärung gestillt ist, wird die allfällige weitere Diskussion zeigen.
Ein Resultat der wirkungsgeschichtlichen Forschung lautete, wie das Pestalozzi-Symposium an der Universität Zürich im Januar 1996 gezeigt hat, dass Pestalozzis Werke erneut und neu gelesen werden müssen. Diese Forderung wurde mit einem interdisziplinären Kolloquium über Pestalozzis «Nachforschungen» exemplarisch zu erfüllen versucht, das anlässlich des 200. Erscheinungstages organisiert worden war und im April 1998 am Pestalo zzianum durchgeführt wurde. Welche Ergebnisse an dieser Tagung präsentiert und welche Diskussionen geführt wurden, und ob Pestalozzi «neu gelesen» wurde, zeigt der Bericht von Bettina Diethelm.
Vor einem Jahr erschien eine Studie zu Menalk, dem Jugendfreund des Ehepaaars Pestalozzi. Diese Studie war motiviert worden durch das Auffinden des Haushaltungsbuchs der Familie Schulthess. In ihm stehen – darüber wurde schon berichtet – Angaben über die Haus- und Geschäftsökonomie, über familiäre Angelegenheiten und über die Kosten der Bildung der Kinder. Ernst Martin, der jeweils die Transkriptionen der alten Handschriften besorgt, konnte gewonnen werden, den Bildungsgang der jungen Schulthess aufgrund dieser Eintragungen und Fakten zu rekonstruieren und gibt damit einen neuen, fruchtbaren Einblick in die Bedingungen des Aufwachsens in der Mitte des Jahrhunderts in Zürich – für Kinder einer wohlhabenden, aber im gut protestantischen Sinne bescheidenen Familie.

Neu erschienen: Sämtliche Briefe an Johann Heinrich Pestalozzi. Kritische Ausgabe, Bd. 2: 1805-1809

Neu erschienen: Zeitschrift für pädagogische Historiographie 2/2009