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Diskussion

 
Von der Psychologie zur Psychotherapie? Die Psychologisierung der Lehrer- und Lehrerinnenbildung und ihre Folgen. Eine Diskussion.
Soziologie und Psychologie sind im 20. Jahrhundert zu den zwei leitenden kulturwissenschaftlichen Disziplinen moderner Gesellschaften geworden, die lange Zeit in Konkurrenz um das Deutungsmonopol standen, wobei sich das Schwergewicht von der ersten langsam zur zweiten verlagert hat. Auf dem Feld der Pädagogik hatte die Psychologie schon früh Oberhand gewonnen und begann seit Mitte des 20. Jahrhunderts das im Feld der Lehrer- und Lehrerinnenbildung als notwendig erachtete Berufswissen zu dominieren. Im Zuge der Evaluation von Bildungsinnovationen stellt sich die Frage, auf welche Kosten die Zunahme der Psychologie erfolgte und ob die damit versprochenen Wirkungen erzielt wurden. Vor dem Hintergrund der in den letzten 20 Jahren zunehmenden Diskussion über das Burn-out-Syndrom von Lehrkräften haben Sabina Larcher und Daniel Tröhler die bewusst provokative These aufgestellt, dass zwischen der Zunahme der Psychologie in der Lehrer- und Lehrerinnenbildung und der Zunahme des Therapiebedarfs von Lehrkräften ein mehr oder minder direkter Zusammenhang besteht, wobei sie diese Entwicklung als analog zur «Psychologisierung» der gesellschaftlichen Diskussionen und zum stetig attraktiver werdenden Topos der «Individualisierung» im 20. Jahrhundert verstehen. Diese These wurde verschiedenen Experten mit dem Ziel zur Kommentierung vorgelegt, einen weiteren, bisher nur marginal behandelten Aspekt in der Evaluation der Lehrer/innenbildung darzustellen.

Neu erschienen: Zeitschrift für pädagogische Historiographie 1/2010

Neu erschienen: Sämtliche Briefe an Johann Heinrich Pestalozzi. Kritische Ausgabe, Bd. 2: 1805-1809