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Bereits vor 1700 begann eine Entwicklung, die man heute als «Nationalisierung» der gelehrten Diskurse bezeichnen kann. Zwar gab es immer wieder Konjunkturschübe, in denen das Interesse am «Ausland» aufblühte. Diese Auseinandersetzungen waren aber (zu) oft von nationalen Interessen bzw. Fragehorizonten geprägt, besonders stark etwa im Umfeld des Ersten Weltkrieges. Die verschiedenen Historiographien zementierten den nationalen Fokus; Geschichte wurde zu einem «nationalen Erziehungsmittel» - auch und gerade in der Pädagogik.
Gegenüber diesen Engführungen hat sich in den letzten Jahren der Ruf nach «Internationalisierung» mehr und mehr durchgesetzt und kann heute als eines der zukunftsträchtigen Desiderate unserer Wissenschaft betrachtet werden. «Internationalisierung» als Programmatik setzt aber voraus, sich der je eigenen «nationalen Grammatik» bewusst zu sein, vergleichbar mit der Forderung der «Interdisziplinarität», die nur vor dem Hintergrund einer expliziten «Disziplinarität» wirklich fruchtbar wird. Die «nationale Grammatik» zielt dabei weniger auf ethnische Sprachunterschiede als auf das, was in der Linguistik bzw. der Sprachphilosophie als «langues» bezeichnet wird.
In der Rubrik «Diskussion» wird diese Überlegung breiter erörtert und an vier Fallbeispielen kritisch geprüft. Das erste untersucht die Rolle der französischen Moralistik in den Anfängen des deutschen Diskurses der «Nation» bzw. der deutschen Nationalsprache um 1700 (Rita Casale), das zweite die Konstruktion von «Bildung» als Inbegriff deutscher Kultur im 18. Jahrhundert mit Rückgriff auf Shaftesbury (Rebekka Horlacher), das dritte die Vorstellung eines Exports deutschen Universitätenwesens in die USA im 19. Jahrhundert (Gabriele Lingelbach) und das vierte reflektiert unterschiedliche Konzepte von Sozialpädagogik in der Schweiz und in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Bettina Grubenmann).
In der Rubrik «Diskussion» wird diese Überlegung breiter erörtert und an vier Fallbeispielen kritisch geprüft. Das erste untersucht die Rolle der französischen Moralistik in den Anfängen des deutschen Diskurses der «Nation» bzw. der deutschen Nationalsprache um 1700 (Rita Casale), das zweite die Konstruktion von «Bildung» als Inbegriff deutscher Kultur im 18. Jahrhundert mit Rückgriff auf Shaftesbury (Rebekka Horlacher), das dritte die Vorstellung eines Exports deutschen Universitätenwesens in die USA im 19. Jahrhundert (Gabriele Lingelbach) und das vierte reflektiert unterschiedliche Konzepte von Sozialpädagogik in der Schweiz und in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Bettina Grubenmann).
«International» sind zwei weitere Beiträge in dieser Nummer. Der eine Thementeil widmet sich einer heftig geführten Debatte in den Vereinigten Staaten kurz vor der Mitte des 20. Jahrhunderts, die zwischen zwei sehr prominenten Exponenten der Pädagogik ausgetragen wurde: John Dewey und Robert Maynard Hutchins. einig in der Prämisse, Demokratie und Erziehung zu korrelieren, unterschieden sie sich fundamental in der Methode. Während Dewey den Standpunkt des Primats der Erfahrung der Kinder vertrat, plädierte Hutchins für den curricularen Vorrang der historisch gewachsenen geistigen Kulturgüter der westlichen Welt. Inwiefern einer dieser beiden Standpunkte «recht» hat oder ob nicht sogar dieser «Widerspruch» die Basis der Pädagogik schlechthin bezeichnet, sei dahingestellt. Nel Noddings unternimmt es im Themenbeitrag darzulegen, weshalb John Deweys Position die überlegene sei.
Der zweite «internationale» Beitrag behandelt in der Rubrik «Dokument» erneut ein amerikanisches Thema. Birgit Althans setzt dabei die Chicago School of Architecture mit der Chicago School of Sociology in Beziehung bzw. die sozialreformerischen Konzepte Janes Addams' mit der Architektur Louis Sullivans (Wolkenkratzer) und Frank Lloyd Wrights (Präriehaus in der Stadt). Dadurch wird der oft thematisierte komplementäre Gegensatz zwischen unermesslichem Reichtum weniger Profiteure und der erniedrigenden Armut der Massen ergänzt durch die These, dass das Leitmotiv der Chicago School of Architecture – form follows function – insofern auf Jane Addams' Wirken im Hull-House-Settlement Einfluss hatte, als sie als Re-Formerin ihrer räumlichen Umwelt gedeutet wird.
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