Inhalt 2/07
Jubiläen werfen ihre Schatten voraus, und insofern blieb 2007 einiges unberücksichtigt: In diesem Jahr hätte man nämlich die Eröffnung der ersten Kindertagesstätte durch Maria Montessori (1907) oder den ersten Satelliten Sputnik in der Erdumlaufbahn vor 50 Jahren, der die amerikanische Schulpolitik entscheidend veränderte, zum Anlass nehmen können, Studien zu betreiben. 2008 könnte man den 100. Jahrestag der Verleihung des Nobelpreises für den sonderlichen Rudolf Eucken, dem Habilitationsbetreuer Herman Nohls, zum Anlass nehmen, die Nationalisierung der deutschen Philosophie und Pädagogik zu rekonstruieren, oder man könnte fragen, was mit den Ereignissen vor vierzig Jahren war, die heute durch die Chiffre von vier Zahlen repräsentiert werden: 1968.
In der Rubrik Diskussion stellt Meike Baader ihre Thesen zum Thema 1968 und die Pädagogik vor und fragt, weshalb das Thema bislang so wenig erforscht wurde, welche Effekte «1968» hatte und wie die retrospektive Sicht heute ist. Baaders Text wird von acht international forschenden Kolleginnen und Kollegen zum Anlass genommen, entweder die Thesen zu diskutieren oder selber Überlegungen zum Thema anzustellen. Wie sehen ehemalige Betroffene oder Akteure ‹ihre› bewegte Zeit heute? Wie schreibt man Zeitgeschichte in der Pädagogik? Gab es eine 1968er-Bewegung in einem anderen post-faschistischen Land wie Japan? Und wie sah die Bewegung in den USA aus, die vermutlich nirgends intensiver war? Und welche Fragen stellen sich aus der Sicht eines Kontinents, der in internationalen Diskussionen kaum einbezogen wird, wie Süd-Amerika?
Ein Jahr später, 2009, erfolgt ein weiteres Jubiläum, das schon so lange zurückliegt, dass selbst die Jubiläumsliteratur vor 100 Jahren Jubiläumscharakter hat: 1909 erschienen Dutzende von Berichten und Artikeln über die 50 Jahre seit Erscheinen von Charles Darwins On the Origins of Species (1859). Zu allem Glück für Biographen wurde in diesem Jahr auch John Dewey geboren, so dass keine Biographie über ihn erscheint, die nicht auf diese Koinzidenz hinweist. Dass der Pragmatismus mit Vorstellungen zusammenhängt, die sich der Evolutionstheorie verdanken, ist unbestritten; gestritten wird nur noch über die Art und Intensität dieses Einflusses. Vor diesem Hintergrund ist es besonders spannend, wie die Protagonisten ‹ihr› Jubiläum begingen. Wie die Pragmatisten 1909 das Ereignis vor 50 Jahren diskutierten, rekonstruiert Michael Geiss in der Rubrik Aus der Forschung.
In derselben Rubrik beschreibt Michèle Hofman die Genese eines Phänomens, mit dem wir heute längst vertraut sind, nämlich mit der medizinischen Betreuung der Schülerinnen und Schülern in der Schule. Besonders eindrücklich ist, wie soziale Erwartungshaltungen von nicht-pädagogischen Berufsgruppen – in diesem Falle die Mediziner – formuliert und in der Schule institutionalisiert werden konnten. Ohne den transnational auftretenden biologischen Topos des «gesunden Volkskörpers» wäre diese Hygienebewegung allerdings kaum so erfolgreich gewesen.
Die Frage, welche ‹Akteure› das schulische Feld bestimmen können, hatte im 19. Jahrhundert zunächst eine geschlechtliche Dimension. Zwar hatte es im Verlauf des 19. Jahrhunderts einen Anstieg von Lehrerinnen gegeben, der immerhin so erfolgreich war, dass man angesichts der ersten internationalen Vergleiche ökonomischer Potenz die eigenen Schwächen auf die «Feminisierung» des Lehrberufs zurückführte. Der Anstieg der Frauen im Lehrberuf blieb allerdings fast das ganze 19. Jahrhundert lang auf die Volksschule beschränkte im höheren Bildungswesen war der Weg weitaus schwieriger. Auf welchen Pfaden die Frauen dennoch als Lehrerinnen in die höheren Bildungsanstalten kamen, wird am Beispiel Preussens von Sabine Doff nachgezeichnet. Es sind je nach Universität nunmehr ziemlich genau 100 Jahre, seit Frauen in Deutschland zum Studium zugelassen wurden, was zu ungenau für ein Jubiläum, aber doch der Erwähnung würdig ist.
Die Frage, welche ‹Akteure› das schulische Feld bestimmen können, hatte im 19. Jahrhundert zunächst eine geschlechtliche Dimension. Zwar hatte es im Verlauf des 19. Jahrhunderts einen Anstieg von Lehrerinnen gegeben, der immerhin so erfolgreich war, dass man angesichts der ersten internationalen Vergleiche ökonomischer Potenz die eigenen Schwächen auf die «Feminisierung» des Lehrberufs zurückführte. Der Anstieg der Frauen im Lehrberuf blieb allerdings fast das ganze 19. Jahrhundert lang auf die Volksschule beschränkte im höheren Bildungswesen war der Weg weitaus schwieriger. Auf welchen Pfaden die Frauen dennoch als Lehrerinnen in die höheren Bildungsanstalten kamen, wird am Beispiel Preussens von Sabine Doff nachgezeichnet. Es sind je nach Universität nunmehr ziemlich genau 100 Jahre, seit Frauen in Deutschland zum Studium zugelassen wurden, was zu ungenau für ein Jubiläum, aber doch der Erwähnung würdig ist.
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